Haftpflichtversicherung

Fragen und Diskussionen rund um die Entwicklung von Hard- und Software.

Haftpflichtversicherung

Beitragvon chammel » Mi 24. Jan 2018, 15:27

Sehr geehrte Forumsteilnehmer,

mit der Bearbeitung der Risikoanalyse zur Einführung der ISO 9001:2015 ist uns ein Problem mit der generellen Betriebshaftpflichtversicherung entstanden.
Unser Unternehmen ist ein EEMS-Dienstleister, d.h. wir entwickeln rein im Kundenauftrag, testen im EMV- und Umweltlabor und fertigen dann auch Baugruppen und Geräte im Auftrag des Kunden. Für die Vorgänge der Entwicklungsarbeiten soll die Betriebshaftspflicht nicht ausreichen, insbesondere sind Folgefehler aus der Entwicklung bei der späteren Produktion nicht versichert.

Dafür soll nur eine sogenannte Ingenieurversicherung gelten. Wenn man sich da aber die Formulare der Versicherung ansieht, haben wir doch nichts mit einem Ingenieur- oder Architektenbüro zu tun.

Kennt sich in dieser speziellen Frage jemand im Forum aus? Kann uns jemand weiterhelfen? Gibt es andere Entwicklungsdienstleister, die ein ähnliches Problem haben und wie haben diese das gelöst.

Bisher kenne ich nur den Stand, dass wohl allein die Allianz diese Versicherung anbietet.

Über eine Rückinfo würden wir uns sehr freuen und bedanken uns schon vorab bei allen Helfer!!!

Mit freundlichen Grüßen,

Volker Linde
Geschäftsführer
IMG Electronic & Power Systems GmbH
chammel
 
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Re: Haftpflichtversicherung

Beitragvon cad-klaus » Mo 29. Jan 2018, 10:11

Guten Tag Herr Linde.
Das Thema ist bekannt und leider hoch komplex. Ein Kollege aus dem CAD-Bereich (Herr Fendt??) hatte mal mit einem Allianz-Außendienstmitarbeiter eine Versicherung anstoßen wollen, die wenigstens die Layouter abdeckt. Der Versicherungsmann hatte sich ernsthaft bei seiner Geschäftsführung eingesetzt und auch mit mehreren Layoutern gesprochen. Das Ergebnis war, dass die Bereiche sehr unterschiedlich waren. Jeder war mehr oder weniger mit Entwicklung, Layout, Musterbau und Kleinserie am Markt. Damit konnte man niemanden richtig erfassen. Zumal auch unsere Auftraggeber gegenüber stehen, die wirtschaftlich wesentlich stärker sind als ein EMS-Dienstleister und stärker als ein kleiner Entwicklungsdienstleister und freier CAD-Layouter sowieso. Die Großen wollen möglichst gar nicht haften und laufen auch mal mit einer Armada von Juristen auf, um ihre Interessen durchzusetzen. Jeder Einzelkämpfer, der länger im Geschäft ist, kann vermutlich ein Lied davon singen. Das Projekt "Versicherung für Layouter" verlief damals im Sand und der Allianz-Mitarbeiter ist schon lange in Rente.

Damals war auch der FED einbezogen worden, konnte oder wollte sich jedoch nicht weiter einbringen. Ich bin deswegen noch nicht mal böse, denn das Thema ist wirklich komplex. Dennoch halte ich es für wichtig und richtig, dass man wieder mal aktiv wird. Die Juristerei wird immer komplexer und durch die Umweltgesetzgebung nicht einfacher. Wenn ich ein Muster abliefere, stehe ich schon fast mit einem Bein im Gefängnis. Es könnte ja ein Bauteil drin sein, das nicht den aktuellen Standards entspricht. Als ich es eingekauft hatte, war eine heute gültige Einschränkung noch nicht aktuell und überhaupt, wann habe ich das wo eingekauft? Heutzutage überlegt man sich, ob man lieber die Finger von solchem Service lässt.

Vielleicht kann der FED mal in Richtung Juristerei aktiv werden. Eine Schulung für kleine Dienstleister wäre schon mal ein Anfang. So etwas gab es mal in den 90er Jahren und es war sehr hilfreich. Die AGB's, die damals erarbeitet wurden, waren leider nicht lange hilfreich. Eine Gesetzesänderung hatte sie damals zunichte gemacht. Dennoch wäre es eine dankbare Aufgabe, zumindest die Schulung mittels eines Rechtsanwalts wieder mal aufzunehmen. Vielleicht kann Herr Friedrichkeit auch einige Tipps aus dem Nähkästchen beitragen.
Klaus Ferger
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Re: Haftpflichtversicherung

Beitragvon MMansfeld » Di 6. Feb 2018, 02:20

Doch, ich hatte wegen Entwicklungsrisiko (Layout ist bei den heutigen Komplexitäten ganz klar ein essentieller Teilbereich von Entwicklung) mal mit vielen Versicherern geredet. Es wäre konkret um Sensorik im EX-Bereich gegangen. Die beiden Versicherer, die damals begriffen hatten, daß eine übliche Betriebshaftpflicht (für den Blauen Flecken vom Kunden, der im Verkaufsraum vom Metzger auf einer Wurstscheibe ausrutscht) nicht hilfreich ist, waren die bayerische Versicherungskammer und die Allianz, beide Versicherer traditionell im Technikbereich kompetent und deshalb haben wohl explizit die kapiert, was "wir" Layouter so machen.

Das was hier relevant ist, ist tatsächlich eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung ähnlich der z.B. für Architekten oder Ingenieurbüros im Baubereich.

Man hat hier echt nur einige wenige Möglichkeiten:
a) Eine ebensolche Versicherung (frage nicht, was sowas kostet)
b) sich mit einem ganz haarklein und juristisch niet&nagelfest ausgetüftelten Vertragswerk ganz massive Prüf- und Freigabepflichten mit dem Auftraggeber festnageln, um das Haftungsrisiko mit jedem geprüften und abgesegneten Meilenstein dem Auftraggeber abzuwälzen zu versuchen
c) eine GmbH aufmachen, um die Haftung im Katastrophenfall aufs GmbH-Vermögen zu beschränken - bei der typischen Ein-Mann-GmbH, wo der geschäftsführende Alleingesellschafter auch noch die Person ist, die den Mist selbst entwickelt/layoutet hat, kann man das "mbH" getrost zum Klopapier aufs stille Örtchen hängen.
d) Aufträge, bei denen eine solche Haftungsproblematik in ggf. existenzbeendender Form im Raum steht, dankend ablehnen.

Ich habe hier für meinen konkreten Fall nach Abwägung aller Vor- und Nachteile die Option d) gezogen.

Faustregel hier: Finger weg von allem, was nach Benzin riecht oder fliegt oder irgendwo implantiert wird.

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